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Willkommenskultur gibt es nicht

…und zwar keineswegs, weil Deutschland das Land der Stoffel wäre. Nein, der Begriff zwingt zusammen, was nicht zusammen gehört, Moment und Dauer, Geste und Nachhaltigkeit. Er ist ein echter Schmarr’n, der Begriff, und passt also gut in unsere Zeit des Emotionsmanagements, das sich Politik schimpft. Mehr dazu im „Konter“ vom 8. September 2015.

Aller guten Dinge sind 13

Das neu gegründete Avicenna-Studienwerk fördert hochbegabte muslimische Studenten und -innen. Der erste Jahrgang traf sich nun zu einer zehntägigen Sommerakademie in Berlin. Am 5. September 2015 gab es ein Podium zum Thema „Zugang für muslimische Entscheidungsträger in die Medien“. Auch ich war geladen und durfte anderthalb Stunden mitdiskutieren über die Zukunft des Islam in Deutschland, dies- und jenseits der Medien. Es war eine konstruktive, leidenschaftliche und respektvolle Debatte, an der ich gerne teilgenommen habe. Alles Gute dem jüngsten der dreizehn staatlich anerkannten dreizehn Begabtenförderungswerke. Möge die ominöse Zahl Glück bringen – mir hat sie es übrigens meistens getan.

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Danke, Erlangen!

Der bewährte Satz von der fränkischen Provinz will einem nicht aus der Kehle, ist man einmal auf dem Poetenfest in Erlangen gewesen. Zum nunmehr schon 35. Mal trafen Ende August 2015 Schriftsteller und Publizisten und ihr Publikum herzlich aufeinander. Im Markgrafentheater am 29. August war es Glockschlag Zwölf – nun ja, fast -, als dort über mein Buch „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ und dessen Thema diskutiert wurde. Muntere, stellenweise heitere, fallweise sehr ernste 90 Minuten lang loteten der „Zeit“-Journalist Jens Jessen, die Politologin Ulrike Ackermann von Heidelberger John-Stuart-Mill-Institut und meine Wenigkeit unter der Gedankenführung Florian Felix Weyhs die Abgründe von Abendland, Islam und Liberalismus aus. Dem Auditorium hat es augenscheinlich wie hörbar gefallen. Danach war die Nachmittagssonne unbarmherzig.

Poetenfest 2015

Ein Dalai Lama macht noch keinen Weltfrieden

Gegen Meditation kann man nichts haben, habe ich schon rein gar nichts. Positive Gefühle gibt es zu wenig in der Welt, und Hass macht hässlich. In all dem hat der 14. Dalai Lama recht. Zum Seelenfrieden des einzelnen kann er so beitragen, aber wohl kaum zum Weltfrieden. Denn wie sollen die Bösen gebessert werden, wenn sie nicht meditieren wollen? Im „Konter“ schrieb ich darum am 18. August 2015 über den Nummer-Eins-Bestseller, den „Appell des Dalai Lama an die Welt“. Ganz so einfach ist es nicht.

Vom Ende der Lebenslügen

Die Flüchtlingsdebatte ist ein Einbruch der Realität in unser kuscheliges Deutschland. Zwei Lebenslügen bringt sie dort zum Einbruch. Schrieb ich am 28. Juli 2015. Noch stabil hingegen sind die Vorstellungen des organisierten deutschen Mehrheitsprotestantismus, durch Allumarmung und Selbstrelativierung gelange man zu Maximalbeliebtheit. Diese Rechnung dürfte nicht aufgehen. Was nicht zuletzt das islamische Engagement von Bedford-Strohm zeigen dürfte, des EKD-Ratsvorsitzenden aus München: Was macht der Bischof im Moscheebauverein? Eine Frage vom 4. August.

Das ist die (verdiente) Quittung

Immer schneller verlassen die Menschen in Deutschland die Kirchen, beenden sie die Steuerpflicht. Besonders bei den Protestanten wird bald kaum noch jemand da sein, der das Licht ausmacht. Woran das liegt? Gewiss auch daran, dass Kirchen oft nur sagen, was alle sagen, nachdem es alle gesagt haben. Sprachlos und plappersüchtig zugleich sind sie geworden, Luthers Erben. Den Katholiken ergeht es kaum besser. Kirche als Echo aber des Zeitgeists und Weltverdopplungsanstalt braucht kein Mensch. Schreibe ich im „Konter“ vom 21. Juli 2015.

Diese EU schadet Europa

Gibt es derzeit noch andere Themen als die Griechenkrise, die Eurorettung und die Lage des Euros und Griechenlands und beider zusammen? Natürlich, man sehe sich hier um. Und doch fasziniert und bedrückt die Eskalation, die zum Kollaps führen könnte – zum Kollaps Europas als tragender Idee. Wollen wir es nicht hoffen. Ich schrieb am 16. Juni 2015 über die zunehmende Unregierbarkeit Europas und am 10. Juli über das uneuropäische Gebaren eines gewissen Alexis Tsipras und am 14. Juli über den Triumph der „Fassadendemokratie“ (Habermas) zum höheren Zwecke der Eurorettung. Erkenntnis und Linderung verspricht in krisenhafter Zeit wie generell der Blick in die Geistesgeschichte. Lernen wir also von Hugo von Hofmannsthal, dessen Münchner „Arabella“, von Andreas Dresen inszeniert, ich am 8. Juli besprach, und vielleicht auch von der Hanse. Mit ihr beschäftigte ich mich im Märzheft, online nachzulesen seit dem 29. Mai 2015.

Der Tod darf kein Geschäft werden

In der Debatte um erleichterten Zugang zur Sterbehilfe wird hie und da gefordert, kommerzielle Anbieter sollten sich der Sache annehmen. Dieser Professionalisierungsschub aber wäre grundfalsch. Er wäre das letzte Häkchen unter der Verwandlung des Menschen zur Ware. Sehr vieles, aber nicht alles darf der Markt lösen. Schreibe ich am 7. Juli 2015.

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