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Herr Frey, Frau Merkel und jede Menge Streitraum dazwischen

Danach hörte man die These, es habe sich um eine Sternstunde gehalten. Das Gegenteil ist wahr. Die Bundestagsdebatte zum Migrationspakt der Vereinten Nationen schwankte zwischen Schelmen- und Schmierenstück und war von erschütterndem Unernst getragen. Mein Beitrag vom 8. November 2018 (Link) nennt die Gründe. Dass die UN viel Papier und wenig Sinn produzieren, zeigte schon zuvor die Verurteilung Frankreichs für dessen Nikab-Verbot. Am 25. Oktober 2018 (Link) wundere ich mich sehr. Dazwischen lagen Angela Merkels falscher Abgang, ihr politischer Teilrückzug in scheinbarer Souveränität (Link zum Kommentar vom 30. Oktober 2018), und eine Dresdner Diskussion zwischen AfD und öffentlich-rechtlichen Medien, namentlich der ARD in Gestalt Kai Gniffkes und des ZDF in der Person Peter Freys. Am 26. Oktober 2018 (Link) trug ich zusammen, was sich da zugetragen hatte. Es war so allerhand.

Was ist los in München?

Als jemanden, der ein Jahracht in und bei München verbracht hat, schüttelt’s einen dann doch, a weng, wenn man lesen muss: Der Erzbischof von München und Freising verwendet Bistumsmittel, um sich in der Öffentlichkeit als generösen Spender pro refugientibus darstellen zu können. Mein „Konter“ vom 11. Oktober 2018 (Link) ist über den Schein-Altruisten im Kardinalsrang empört. Das scheinmoralische Verbot sexuell anstößiger Werbung durch den Münchner Stadtrat passt ins trübe Bild. Wo früher eine Stadt leuchtete, da funzelt’s heute, nicht nur im Oberstübchen. Zum Kommentar vom 8. Oktober 2018 führt ein Link.

Jenseits der Worthülse

Jeder Tag ist Bertelsmannstiftungsstudientag, derart oft erscheinen Gütersloher Elaborate zum Zustand der Nation. Könnte man meinen. Dabei wird mitunter der Populismusvorwurf zum Totschlagargument wider oppositionelle Einstellungen. Mein „Konter“ (Link) vom 5. Oktober 2018 nimmt daran Anstoß. Ob das Merkelsche „Worthülsen-Regiment“ (Link zum Konter vom 27. September 2018) sich derweil bald dem Ende zuneigt und jenes „verbale Vakuum“ (Link zum Konter vom 13. September 2018), das die Kanzlerin bezeichnet, ein anderer oder eine andere wird füllen: Das wissen auch die Bertelsmänner nicht genau. Eine Wohltat wäre es, aus Sicht der deutschen Sprache. Dass in dieser schon besser debattiert wurde als in den Iden der Angela, zeigt nicht zuletzt der Debattenverhinderungscordon, der um Thilo Sarrazin errichtet wurde. Dabei bekam er über Bande prominente Schützenhilfe vom amerikanischen Bestsellerautor Nassim Nicholas Taleb, worüber ich (Link) am 6. September 2018 schrieb. Vom kurzfristigen SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz gilt es übrigens nachzutragen, dass er die Kunst der Selbstversenkung noch beherrscht. Ein Talkshowauftritt belegte es. Ich zeichne ihn am 17. September 2018 nach (Link).

Der Seebär. Zum Tod des Schriftstellers Ulrich Schacht

Diesen Satz aus einer Biographie habe ich lange nicht verstanden: Geboren worden sei dieser Mann, dieser Mensch „im Frauengefängnis Hoheneck“. Wie kann das sein, dachte ich naiv, dass ein Mensch, ein Knabe in einem Gefängnis nur für Frauen zur Welt kam? Gewiss, das war eine sehr kindische Frage. Die DDR des Jahres 1951, von dem hier die Rede ist, hielt zur segregierten Bestrafung sogenannter Staatsfeinde Gefängnisse für beide Geschlechter parat, und warum sollte dort nicht, zwangsgetrennt vom Vater, der kleine Ulrich geboren werden? Als aus diesem der Erwachsene Ulrich Schacht geworden war, viele Jahrzehnte später, sagte er: „Es gibt eine Tradition in meiner Familie, in entscheidenden Momenten keine Rücksicht auf Bedrohungen zu nehmen und das zu sagen, was man für die Wahrheit hält. Ich bilde mir gar nichts darauf ein.“

Auch der Sohn einer deutschen Mutter und eines sowjetischen Offiziers, den er erst spät und mühsam kennenlernen sollte, worüber er „ein literarisches Meisterwerk“ (FAZ) namens „Vereister Sommer“ (2011) schreiben sollte, auch dieser Sohn Ulrich verbrachte wegen „staatsfeindlicher Hetze“ Jahre im DDR-Gefängnis. Knapp drei, um genau zu sein, ehe er im November 1976 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft werden sollte. So kam der gelernte Bäcker und studierte Theologe nach Hamburg, studierte weiter Politologie und Philosophie, wurde Kulturjournalist bei der Tageszeitung „Die Welt“, hochdekoriert mit dem Theodor-Wolff-Preis des Jahres 1990. Auch als Schriftsteller, als Lyriker und Erzähler vor allem, erwarb er sich den Ruf des feingeistigen Solitärs, die Masse weder findend noch suchend. Den Eichendorff-Preis erhielt er 2013, den Preis der LiteraTour Nord dann 2016, nach Michael Köhlmeier und vor Tilmann Ramstedt. Ulrich Schacht war angekommen, anerkannt in der Bel Etage des literarischen Erzählens, erst recht mit seinem späten Romandebüt „Notre Dame“ (2017), einer doppelten Liebesgeschichte aus der Nachwendezeit.

In Erinnerung bleiben wird er mir als Seebär. So erschien er, ehe ich wusste, dass er in der Hansestadt Wismar aufgewachsen war, bei Großmutter, Mutter und Schwester, allein unter Frauen. Ob er je zur See fuhr? Niemanden vermochte ich mir passender am Steuerrad auf Holzplanken vorzustellen als diese bullige Gestalt mit nacktem Schädel, tief getönter Stimme, kollerndem Lachen, kecken kleinen Augen, kraftvollem Händedruck und immer, wirklich immer in Schwarz gekleidet, schwarze Hose, schwarzes Hemd, darüber ein zweites, dickeres, noch schwärzer, weit über den Gürtel reichend. Liturgisch streng war das und sehr bequem. Passend also für den Genussmenschen und orthodoxen Lutheraner, der 1987 die in Erfurt angesiedelte „Evangelische Bruderschaft St. Georgs-Orden“ gegründet hatte. Diese will „in protestantischer Gestalt und Substanz entschieden und streitbar die Wahrheit des Evangeliums in unserer Zeit und Gesellschaft leben und verbreiten.“

Wie verträgt sich derlei christliches Sendungsbewusstsein mit der Herausgeberschaft (gemeinsam mit Heimo Schwilk) des Sammelbandes „Die selbstbewusste Nation“ von 1995? War das die Lehre aus zwei Diktaturen: wieder wer sein wollen? Während Botho Strauß in seinem anlassgebenden Essay vom „Anschwellenden Bocksgesang“ den „Mut zur Sezession, zur Abkehr vom Mainstream“ forderte und die „Diktatur des Vorübergehenden“ beklagte, „an die die Medien das Volk gewöhnt haben“, dachte Schacht heilspsychologisch. Es sei „die Pflicht der Deutschen, von Auschwitz zu wissen“ und aus diesem Wissen „nicht Stigma, sondern Sorge“ erwachsen zu lassen: „Die einzige – allerdings umfassende und dauerhafte – praktisch-moralische und eben nicht lediglich rhetorisch-rituelle oder bloß finanzielle Konsequenz aus diesem Wissen ist die Sorge um Israel. Denn jeder neue mögliche Holocaust-Versuch an Juden findet dort statt, wo das jüdische Volk lebt, nirgends sonst.“

Ulrich Schacht war ein politischer Mensch mit der Gabe der schneidenden Prägnanz: „Rechts und links sind Stand-Punkte, auf die sich nur noch berufen kann, wer ein schlechtes Gedächtnis hat.“ Er konnte sich über gegenwärtige Meinungskorridore und Sprechverbote in langen Wortkaskaden ebenso empören wie über die Merkelsche Migrationspolitik, doch die zarte Seele hat den Seebär nie verlassen. Ganz schwingt sie aus in seinen Gedichten und in seiner wunderbar inwendigen Novelle „Grimsey“ von 2015 über die Reise eines Mannes auf eine fiktive, vor Island gelegene Insel. Dort angekommen, weiß der Mann „für einige Minuten nicht, welche Richtung er einschlagen sollte.“ Ulrich Schacht beantwortete diese Frage in seinem Schreiben und Leben mit der Wahrheit unter den Bedingungen des Tages, der meist keiner Wahrheit günstig gesonnen war: „Der Rhythmus, in dem er über die Straßen lief, ja schwebte, sein Pfeifen in Wind und Himmel hinein verrieten, dass er die kleinste Gelegenheit nutzen würde, abzuschweifen.“

Ulrich Schacht starb am 16. September 2018 im Alter von 67 Jahren im schwedischen Förslov, wo er seit 1998 wohnte.

Nachtrag: In einer ausrangierten Brieftasche finde ich ein Schnipselchen Text aus dem Jahr 1992. Es entstammt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, ist „Herbst Brief“ überschrieben und ein Gedicht von Ulrich Schacht. Es geht so: „Verrat mir ein / Geheimnis. Oder mich. Oder / lösch ganz einfach das / Licht in deinem / Auge wenn du / gehst will // ich in der / Tür stehn die / Blätter zählen die der / Wind aufwirbelt ihre / Summe wissen wenn / sie wieder am / Boden // liegen: Das / Muster bergen das / unseren Augen / bleibt.“

Haltung ist kein Journalismus

Auch ein Blick in die Provinz, hier einmal nach Ulm, belegt eine Versuchung und ruft nach der Gegenthese: Haltung (allein) ist kein Journalismus. Sachdienliches hierzu im „Konter“ (Link) vom 9. August 2018. Sonst nämlich geschieht, was oft der Fall ist oder war: Gewalt wird zur medialen Nebenepisode, geht sie von Flüchtlingen aus. Die Offenburger Vorkommnisse, zusammengefasst und eingeordnet im „Konter“ (Link) vom 23. August 2018, aber sperren sich gegen publizistische Verzwergung ebenso wie jene von Plauen. Fabula docet, Veritas liberabit.

Ein heißer Sommer

Der Verfassungsschutzbericht brachte an den Tag, was schon im Licht der Sonne lag: Deutschland hat ein Extremismusproblem, auch von links, auch islamistisch grundiert, auch rechts verortet. Im „Konter“ (Link) vom 27. Juli 2018 nehme ich die Erkenntnisse ernst. Die Terrorgefahr ist dauerhaft geworden. Auch deshalb gilt, wie ich im „Konter“ (Link) vom 13. Juli 2018 darlege: Ein Staat darf nicht emphatisch, muss aber rechtstreu sein. Auch darum, weil der muslimische Judenhass leider ebenfalls kein temporäres Phänomen ist. Im „Konter“ (Link) vom 19. Juli 2018 frage ich: Wer stoppt den Judenhass? Der mit Getöse und Vorwürfen verbundene Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Nationalmannschaft rechnet eher in die Kategorie Vermischtes und ist doch symptomatisch. Ohne den islamischen Faktor dürfte man ihn kaum verstehen. Schreibe ich in meinem Kommentar (Link) vom 24. Juli 2018. Vermischte Politik, so es das gibt, betrieb die Kanzlerin in der Haushaltsdebatte des Bundestags, wo sie eurythmisch politisierte. Im „Konter“ (Link) vom 5. Juli 2018 schwang ich mit im Takt.

Sonntags im Presseclub

Eine Institution im deutschen Fernsehen ist der sonntägliche ARD-Presseclub, an dem ich manchmal teilnehmen darf, stets gern. Am 8. Juli 2018 war es wieder so weit, das Thema lautete „Frust über die Politik, Angst vor der Zukunft- was ist los mit unserer Demokratie?” (Link) Positionen wurden begründet, manches rieb sich hart, und der gemeinsame Rücktritt von Frau Dr. Merkel und Herrn Seehofer stand im Raum. Doch, nur zu, man sehe selbst.

2018-07-08 Presseclub

Schwefel und andere Medienspektakel

Es bleibt nicht aus, sich hin und wieder mit den Medien auseinanderzusetzen, auch wenn man diesen angehört. Der gehässige Kommentar des Chefs der ARD-„Tagesschau”, Kai Gniffkes, zu einem Rücktritt, den es gar nicht gab, der offenbar sehnlichst erwarteten Demission Horst Seehofers, gehört in kein Lehrbuch. Wohl aber in meine Betrachtung einer „journalistischen Kernschmelze” (Link) vom 2. Juli 2018. Dass derweil im ZDF-„heute Journal” immer mal wieder „Daumendrücken für Merkel” (Link) angesagt ist, legte ich am 18. Juni 2018 dar. Und in der ARD-Talkshow „Anne Will“ lädt sich die Kanzlerin zur Audienz und verwandelt so das Fernsehstudio in eine „Arena der richtigen Gesinnung” (Link). Am 11. Juni 2018 analysierte ich sie. Zum medialen Spektakel der anderen Art lädt die Evangelische Kirche, wenn sie im Netz wie der Teufel nach abweichenden Meinungen fahndet, die sie „toxische Narrative” (Link) nennt. Am 17. Mai 2018 stieß ich auf den protestantischen Exorzismus.

Wölfe, Menschen und ihre Politik

Das schöne Salzburg sah ich diesmal nur im Dunkeln. Doch geht es dem Wolf anders, dem nachtaktiven? Damit war das Thema gesetzt beim „Talk im Hangar-7”, an dem ich am 3. Mai 2018 erneut teilnehmen durfte. Der Wolf und der Mensch, das ist eine verzwickte Geschichte. Als sei die Lage nicht schon kompliziert genug, wenn Menschen auf Ihresgleichen treffen, etwa Politiker: In der „phoenix-Runde” hieß das Thema am 26. Juni 2018, „Die Schicksalswoche – Krisentreffen im Kanzleramt” (Link). Ich redete mit und trug ein Einstecktuch. Beides ist aktenkundig.  Zwei Tage später, am 28. Juni 2018, fand in Köln ein „WDR 5-Funkhausgespräch” (Link) statt: „Die aufgeheizte Republik – Was wirkt gegen Hass und Hetze?” Gerne trug ich mein argumentatives Scherflein bei.

20180628 WDR 5 Funkhausgespräche

20180626 Phoenix Runde c

20180503 Talk im Hangar-7 b

Frühling, dein Name ist Streit

Linde Winde, sanfte Kräfte? In diesem Frühling schießen die Behauptungen, Rechthabereien und Bedenklichkeiten aller Art wie Pfeile ins Land. Die aus deutscher Sicht erbarmungswürdig vergeigte Fußballweltmeisterschaft der Herren hält immerhin sechs Lektion bereit, die ich am 28. Juni 2018 aufzähle (Link).  Unmetaphorisch bitter sind die kleinen Tode, die die Freiheit täglich stirbt im Kampf wider den islamistischen Terror. Am 31. Mai 2018 reiße ich mich und meine Sorgen am Riemen (Link). Die Kriminalitätsstatistik, der ich am 11. Mai 2018 eine Betrachtung widme (Link), stimmt da auch nicht heiterer, ebenso wenig tut’s der Hamburger Doppelmord durch einen migrierten Gewaltvater. Am 16. April 2018 deute ich das kranke Geschehen (Link): „Der Staat toleriert Gesetzesübertretungen, die von Kirche und Grünen begrüßt werden, und am Ende zahlen Frauen und Kinder die Zeche.“ Und wie Abschiebung und Weltoffenheit zusammengehen, erörtere ich am 4. Mai 2018 (Link): „Der Widerstand gegen eine Staatsgewalt, die zur eigenen Gewalt ein problematisches Verhältnis hat, gegen einen Staat, der sich in seiner Weltoffenheit selbst fesselt, ist ein Trend dieser Tage.“

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