Das ist die (verdiente) Quittung

Immer schneller verlassen die Menschen in Deutschland die Kirchen, beenden sie die Steuerpflicht. Besonders bei den Protestanten wird bald kaum noch jemand da sein, der das Licht ausmacht. Woran das liegt? Gewiss auch daran, dass Kirchen oft nur sagen, was alle sagen, nachdem es alle gesagt haben. Sprachlos und plappersüchtig zugleich sind sie geworden, Luthers [...]

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Das ist die (verdiente) Quittung

Immer schneller verlassen die Menschen in Deutschland die Kirchen, beenden sie die Steuerpflicht. Besonders bei den Protestanten wird bald kaum noch jemand da sein, der das Licht ausmacht. Woran das liegt? Gewiss auch daran, dass Kirchen oft nur sagen, was alle sagen, nachdem es alle gesagt haben. Sprachlos und plappersüchtig zugleich sind sie geworden, Luthers Erben. Den Katholiken ergeht es kaum besser. Kirche als Echo aber des Zeitgeists und Weltverdopplungsanstalt braucht kein Mensch. Schreibe ich im „Konter“ vom 21. Juli 2015.

Diese EU schadet Europa

Gibt es derzeit noch andere Themen als die Griechenkrise, die Eurorettung und die Lage des Euros und Griechenlands und beider zusammen? Natürlich, man sehe sich hier um. Und doch fasziniert und bedrückt die Eskalation, die zum Kollaps führen könnte – zum Kollaps Europas als tragender Idee. Wollen wir es nicht hoffen. Ich schrieb am 16. Juni 2015 über die zunehmende Unregierbarkeit Europas und am 10. Juli über das uneuropäische Gebaren eines gewissen Alexis Tsipras und am 14. Juli über den Triumph der „Fassadendemokratie“ (Habermas) zum höheren Zwecke der Eurorettung. Erkenntnis und Linderung verspricht in krisenhafter Zeit wie generell der Blick in die Geistesgeschichte. Lernen wir also von Hugo von Hofmannsthal, dessen Münchner „Arabella“, von Andreas Dresen inszeniert, ich am 8. Juli besprach, und vielleicht auch von der Hanse. Mit ihr beschäftigte ich mich im Märzheft, online nachzulesen seit dem 29. Mai 2015.

Der Tod darf kein Geschäft werden

In der Debatte um erleichterten Zugang zur Sterbehilfe wird hie und da gefordert, kommerzielle Anbieter sollten sich der Sache annehmen. Dieser Professionalisierungsschub aber wäre grundfalsch. Er wäre das letzte Häkchen unter der Verwandlung des Menschen zur Ware. Sehr vieles, aber nicht alles darf der Markt lösen. Schreibe ich am 7. Juli 2015.

Das Grauen wohnt in Rüdersdorf

Arme Brandenburger Gemeinde, das hast du nicht verdient! Doch weil eben dort Pakete der DHL eine regelmäßig längere Pause einlegen, ehe sie in Berlin zugestellt werden, kann ich dir, du Rüdersdorf, diesen Zuruf nicht ersparen. Es ist der reine Wahnsinn. Ich schrieb ihn am 23. Juni 2015 auf – und glaubt mir, wenig wurde besser seitdem.

Energie sparen mit Papa Franz

Es ist schon wahr: Die Bewahrung der Schöpfung ist christliches Kerngebot, und ein Papst darf Schwerpunkte setzen nach Gutdünken und Fassungskraft. Die Enzyklika von Franziskus aber,  „Laudato Si“, ist stellenweise zu schlicht antikapitalistisch geraten und verheddert sich im winzigen Konkreten zwischen Mülltrennung und Abfallvermeidung. Mein „Konter“ vom 18. Juni 2015 vermisst die spirituelle Weite und geistlichen Mehrwert.

Die Ehe für alle und das Pathosgebot

Die „Homo-Ehe“ soll zur „Ehe für alle“ werden, und wer nicht begeistert applaudiert, der ist ein Schuft. Bei allem Verständnis, liebe Aktivisten, für euren feurigen Einsatz: Geht es nicht eine Spur nüchterner, pathosärmer, moralinfrei? Am 2. Juni 2015 notierte ich meine Gedanken hierzu.

Peter Singer muss reden dürfen – so schwer es fällt

Nie hätte ich mir träumen lassen, in Sachen Peter Singers Bioethik einmal anders als im Gestus der Totalablehnung zu schreiben. Diesmal muss es sein. Würde sein Auftritt in Berlin untersagt, wäre es eine Niederlage der republikanischen Freiheit, von der wir alle zehren. Mit knirschenden Zähen also verteidige ich Singers Redefreiheit – und lehne seine Thesen entschieden ab. Im „Konter“ vom 19. Mai versuche ich mich an diesem Praxistest meiner eigenen Toleranz.

Yasmina Reza zwischen Abort und Unort

Eine neue Komödie von Yasmina Reza ist immer ein kulturelles Großereignis. Diesmal fand die Uraufführung sogar in deutscher Sprache statt, an der „Schaubühne“ zu Berlin, und mit Nina Hoss und Marc Waschke – mehr „Bella Figura“ geht nicht. Der gleichnamige Titel hielt dann aber doch nicht ganz, was er versprach. In meiner Kritik am Tag danach, am 17. Mai 2015, orte ich Sigmar Gabriel an der Stechuhr dieser Pointenfabrik. Adorno hätte sich vermutlich köstlich amüsiert.

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